| Das Labyrinth der Einsamkeit von Oktavio Paz |
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In der Fiesta kommuniziert die Gesellschaft mit sich selbst. Ihre Mitglieder kehren (...) zum Ur-Chaos und zur Ur-Freiheit zurück. Die sozialen Strukturen lösen sich auf. Es bilden sich neue Formen von Beziehungen, unerwartete Gesetzmäßigkeiten, launengeborene Hierarchien. (...) Die Grenzen zwischen Zuschauer und Schauspieler, zwischen Zelebrierenden und Assistierenden verwischen sich. Die Fiesta ignoriert die Gesellschaft als organische Gesamtheit differenzierter Formen und Prinzipien, und erkennt sie als Quelle schöpferischer Energie an. Alles kommuniziert. Das Gute vermischt sich mit dem Bösen, der Tag mit der Nacht, das Heilige mit dem Verdammten. So ist die Fiesta eine Umkehr im buchstäblichen Sinne des Wortes. In ihrem Chaos löst sich die Gesellschaft auf, taucht in einen neuen Organismus ein, der nach bestimmten Regeln und Grundsätzen funktioniert, taucht in sich selbst, ... und in die Ur-Freiheit ein. Angesehene Personen reißen ihr „Masken-Gesicht“ und ihren dunklen Anzug herab, der sie sozial hervorhebt, legen schreiende Farben an und setzen eine Larve auf, die sie von ihrem Selbst befreien. Die Fiesta ist nicht nur Ausschweifung, rituelle Verschwendung von Gütern, die man mühsam angesammelt hat. Sie ist ebenso Revolte, plötzliches Eintauchen ins Formlose, in das Leben selbst. ... Verschwendung zieht Fülle an, ist eine Investierung wie jede andere, nur dass hier der Gewinn sich nicht messen, sich nicht berechnen läßt. Zur Fiesta gehören alle, und alle gehen in ihrem Wirbel auf. Was immer auch ihre Art, ihr Charakter, ihr Wesen sein mag, die Fiesta bedeutet vor allem Teilhabe. (...) ... ist ein soziales Faktum, das auf aktiver Teilhabe aller beruht. In der Fiesta öffnet sich der Mexikaner der Welt, nimmt Anteil, vermischt sich mit seinesgleichen und den Werten, die seiner (...) Existenz Sinn geben. Die explosive, dramatische (...) Art, wie wir uns entblößen und hingeben, macht deutlich, dass uns etwas hemmt und zu ersticken droht. Und da wir nicht wagen (...) unserem eigenen Wesen uns entgegenzustellen, nehmen wir Zuflucht zur Fiesta. (...) Der besondere Glanz, die Begeisterung ihrer Teilnehmer scheint zu sagen, dass wir ohne sie zerspringen würden. Sie machen uns – und sei es nur für einen Augenblick – frei von allen ausweglosen Impulsen, all dem entzündbaren Stoff, der sich in unserem Innern anhäuft. |